Garnison Eberswalde

#1 von Lutter , 09.11.2018 21:33

Bereits preußisches Militär der Garnison Kolberg war von 1717 bis 1732 in der damaligen Neustadt-Eberswalde stationiert.

Vor und im Zweiten Weltkrieg waren in Eberswalde zahlreiche Militäreinheiten stationiert. Viele dieser Immobilien wurden im Mai 1945 direkt von der Roten Armee übernommen, zusätzlich auch zahlreiche Wohngebäude der Stadt sowie repräsentative Villen für hohe Offiziere.

Teile des Wachregiments Feliks Dzierzynski der DDR waren ebenfalls in Eberswalde stationiert.

Die sowjetischen Truppen auf dem Territorium der DDR belegten 777 Kasernenanlagen an 276 Orten.
Dies schloss 47 Flugplätze und 116 Übungsplätze mit ein. Die GSSD/WGT zählte im Januar 1991 nach eigenen Angaben 337.800 Soldaten in 24 Divisionen, verteilt auf fünf Landarmeen und eine Luftarmee. Dazu kamen noch 208.400 Familienangehörige von Offizieren sowie Zivilangestellte, darunter befanden sich etwa 90.000 Kinder.
Eberswalde war Stationierungsort der 20. Gardearmee des Heeres, zu dieser gehörten unter anderem:

35. Motorisierte Schützendivision (Krampnitz bei Potsdam)
90. Garde-Panzerdivision (Bernau bei Berlin)
400. Panzerartillerieregiment
6. Garde-Motorisierte Schützenbrigade (Berlin-Karlshorst)
34. Artilleriedivision (Potsdam)
41. Hubschrauberstaffel (Finow)
337. Kampfhubschrauberregiment (Mahlwinkel)
487. Kampfhubschrauberregiment (Templin)
45. Funktechnische Bataillon (Eberswalde) zur Radaraufklärung der Luftabwehr.

Luftstreitkräfte der GSSD/WGT - hier: 16. Luftarmee - war vertreten:
787. Jagdfliegerregiment ( Flugplatz Finow)

Dieses Jagdfliegerregiment war der 16. Garde-Jagdfliegerdivision Ribnitz-Damgarten unterstellt.

Weiterhin eine Fla-Raketenabteilung der Luftverteidigung (Finowfurt).

Die sowjetischen Truppen stellten gegen Ende der 1980er Jahre mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Eberswalde, der Garnisonsfriedhof hat schon Ende der 1960er Jahre nicht mehr ausgereicht und wurde deshalb geschlossen. Nach der Schließung des Garnisonsfriedhofes wurden die Toten meist in ihre Heimat überführt, einige wurden auf dem Waldfriedhof Eberswalde beigesetzt.
In Eberswalde waren bis zu zwischen 25.000 und 30.000 Militärangehörige und Zivilisten aus der UdSSR stationiert. Eine Stadt für sich.
Nach der Schließung des Garnisonsfriedhofes wurden die Toten meist in ihre Heimat überführt, einige wurden auf dem Waldfriedhof Eberswalde beigesetzt.

 
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RE: Garnison Eberswalde

#2 von Barnimer , 09.11.2018 21:40

Immerhin- Der Sowjetische Garnisonsfriedhof Eberswalde wurde auf Befehl Nr. 117 des Kommandierenden der SMAD, Wassili Danilowitsch Sokolowski, vom 15. April 1946 errichtet. Dieser Befehl beinhaltete die Errichtung und Unterhaltung „besonderer Friedhöfe für die Bürger der UdSSR“ in der Sowjetzone.
Die Anlage eines solchen Friedhofes in Eberswalde wurde im Befehl ausdrücklich gefordert. Ab 1946 wurde der Friedhof genutzt und aber bis ca. 1949 dauerte seine Fertigstellung. Der Friedhof wurde dann in den Jahren 1956 und 1963 erweitert. Bis 1967 wurden 860 namentlich bekannte Personen bestattet.
Dies waren neben Militärangehörigen auch Zivilpersonen, darunter zahlreiche Kinder. Die Toten waren aufgrund Kriegsverletzungen, Unfällen oder Krankheiten verstorben.

Der Garnisonsfriedhof befindet sich im Ortsteil Westend an der Heegermühler Straße (B 167) zwischen Bahnhof und Westendkino an der nördlichen Seite der Straße. Die angrenzenden Grundstücke sind ein Park sowie eine Gaststätte.

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RE: Garnison Eberswalde

#3 von German , 09.11.2018 21:48

Auf dem Sowjet-Friedhof sind auch zahlreiche Piloten des Flugplatzes Finow durch Grabsteine geehrt.
Jeweils mehrere Armeeangehörige mit gleichem Todesdatum haben einen gemeinsamen Grabstein, verziert mit Jagdflugzeugen.

Besondere Bekanntheit erreichten Hauptmann Boris Kapustin und Oberleutnant Juri Janow, die bei einem Überführungsflug ihr defektes Kampfflugzeug vom Typ JAK-28 in den Stößensee im damaligen Westberlin lenkten. Damit die Maschine nicht über bewohntem Gebiet abstürzen konnte.
Der Überschallaufklärer der 16. Luftarmee sollte bereits drei Tage vorher nach Köthen überführt werden, es ergaben sich aber technische Probleme, weshalb die überraschende Landung in Finow erfolgte.
Nach drei Tagen Reparatur am Antrieb wurde am 6. April 1966 der Start erlaubt. Das Flugzeug erreichte 4000 Meter Höhe, dann fielen beide Triebwerke aus. Die Piloten erhielten vom Boden die Genehmigung, sich per Schleudersitz in Sicherheit zu bringen, suchten jedoch eine Stelle zur Notwasserung. Während die Piloten erst drei Tage später geborgen wurden, bauten britische Militärtaucher eilends viele Teile aus dem damals modernen JAK--Flugzeug aus.
Der Stößensee lag im britischen Sektor von Berlin.
Die beiden Soldaten wurden in ihren Heimatorten Rostow am Don und Rjasan bei Moskau beerdigt. Ein Gedenkstein für beide wurde 1979 im Stadtpark Finow enthüllt. In der Mitte der Gedenksteine des Garnisonsfriedhofes erinnert eine Inschrift und ein Gedenkstein an die beiden Piloten.

Zu DDR-Zeiten war über Flugzeugverluste, tödliche Unfälle in der Sowjetarmee oder das Unglück der JAK-28 in Westberlin nichts bekannt.
JAK-28 Aufklärungsflugzeuge waren auf dem sowjetischen Flugplatz Werneuchen stationiert.

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RE: Garnison Eberswalde

#4 von Maximilian , 09.11.2018 21:59

Die Sowjettruppen prägten über 40 Jahre das Gesicht der Stadt.

Aber auch vor 1945 waren viele Truppen der Wehrmacht in Eberswalde stationiert:
Wehrmacht

Fronttruppenteile

Stab 3. Schützen-Brigade
mit
Stab Schützen-Regiment 3
I./Schützen-Regiment 3
II./Schützen-Regiment 3
sowie
Stab Artillerie-Regiment 75
I./Artillerie-Regiment 75
II./Artillerie-Regiment 75 (motorisiert)

Ein Landesschützen-Regiment XI/III
sowie
eine Marine-Stabs-Abteilung Eberswalde



Ersatztruppenteile

Infanterie-Ersatz-Bataillon 479
Infanterie-Geschütz-Ersatz-Kompanie 218
Schützen-Ersatz-Regiment 83
Panzer-Grenadier-Ersatz-Regiment 83
Schützen-Ersatz-Bataillon 3
Reserve-Panzer-Grenadier-Bataillon 3
Schützen-Ersatz-Bataillon 8
Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 8
Reserve-Panzer-Grenadier-Bataillon 8
Artillerie-Ersatz-Regiment 23
Artillerie-Ersatz-Regiment (motorisiert) z.b.V. 23
Artillerie-Ersatz-Abteilung 75
leichte Artillerie-Ersatz-Abteilung (motorisiert)75

Marine-Ersatz-Abteilung Eberswalde

Sanitäts-Staffel

Heeresfachschule (V.W.)
Heeresfachschule (V)

156. Feldausbildungs-Division


Kommandobehörden / Dienststellen


Standort-Kommandantur
mit
Eine Standort-Kompanie Eberswalde und ein Grenadier-Bataillon Eberswalde

Wehrbezirks-Kommando (WK III, Wehrersatzinspektion Potsdam. Zuständig für die Wehrmeldebezirke (Wehrmeldeämter) Eberswalde, Angermünde und Templin.)

Wehrmeldeamt (WK III, Wehrbezirk Eberswalde. Zuständig für den Stadtkreis und den Landkreis Eberswalde.)

der Wehrmachtfürsorgeoffizier

einer Heeres-Standort-Verwaltung
ein Heeres-Verpflegungs-Amt
ein Heeres-Bauamt
Heeres-Oberförsterei mit Heeres-Revierförsterei Neu Gersdorf


Einrichtungen

Außenkommando KL Ravensbrück - Munitionsfabrik

 
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RE: Garnison Eberswalde

#5 von Feldwebel , 09.11.2018 22:18

Ein wichtiges Element der 20. Gardearmee Eberswalde war deren Übungsgelände bei Trampe als Garnisonsausbildungszentrum.
Wir würden sagen: TüP- Truppenübungsplatz oder Standortübungsplatz.
Zu damaligen Zeiten waren sowjetische Übungsgelände aber auch wichtige Bereitstellungsräume für den Kriegszustand.

Historiker der heutigen Zeit konnten wichtige Anteile einer Führungsstelle identifizieren.
Hier stand zu Nutzungszeiten eine TROPO Endstelle für die Führungsverbindungen zum Frontstab, ein Richtfunkkopf-, ein Kabelübergabepunkt der Post mit sehr modernem PCM Zugang und einen verbunkerten Ausweich- Gefechtsstand der 20. Gardearmee.

Für Fahrübungen war eine Fahrübungsstrecke im Ostend neben der Müllkippe angelegt.
Gelegentlich verlegten auch Truppen zur Übung auf den TüP Sonnenburg zwischen Altranft und Ratsdorf ( liegt zw. Bad Freienwalde und Wriezen).

 
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